Zwischen Strenge und Liebe – Was mein Sohn mich lehrt

Gestern war kein guter Abend.
Ich hatte mit meinem Sohn gestritten.
Er war müde, unkonzentriert und hatte sich fürs Fußballtraining zu dünn angezogen.
Kleinigkeiten – und doch solche, die mich in letzter Zeit oft an meine Grenzen bringen.

Ich wollte, dass er es richtig macht.
Dass er vorbereitet ist, Verantwortung übernimmt.
Doch zwischen diesem „richtig“ und dem, was wirklich zählt, liegt ein stiller Schmerz.

Er war erschöpft, und ich habe es gesehen.
Aber statt ihn in den Arm zu nehmen, habe ich eine Moralpredigt gehalten.
Er ist eingeschlafen – ich blieb wach.
Traurig, nachdenklich, schuldig.

Heute Morgen, um vier Uhr, bin ich aufgestanden.
Nicht, weil ich musste – sondern, weil ich über das nachdenken wollte, was wirklich wichtig ist.
Vatersein bedeutet nicht, immer stark zu sein.
Es bedeutet, stark genug zu sein, Fehler zuzugeben.

Ich habe begriffen:
Es geht nicht um Erwartungen.
Nicht um mich.
Es geht darum, füreinander da zu sein.

Ich wollte meinem Sohn zeigen, wie man kämpft.
Aber vielleicht sollte ich ihm zeigen, wie man sich entschuldigt.
Wie man zuhört.
Wie man trotz aller Aufgaben Mensch bleibt.

Am Ende zählt nicht, wie viele Pflichten wir erfüllen,
sondern wie oft wir uns die Zeit nehmen, nebeneinander zu sitzen,
gemeinsam zu lernen, zu lachen, zu scheitern.

Das ist Vaterliebe.
Und sie beginnt immer dann, wenn wir aufhören, perfekt sein zu wollen.